Lieber Attila
Ein weiterer Deutungsversuch ...
23. Traum (22.01.2023)
Ich befinde mich mit mehreren Frauen in einem grossen Saal mit vielen Tischen und Stühlen, die um die Tische angeordnet sind. Wir sitzen auf einer Art Balkon/Empore mit geschnitztem Geländer (wie in der tschechisch/deutschen Verfilmung "3 Nüsse für Aschenbrödel" im Ballsaal). Es sitzen schon viele Leute im Saal an den Tischen, darunter auch mein Bruder.
Wir proben noch einmal unsere Aufführung. Wir stellen tanzend eine Eule dar. Ich bin total verwirrt, weil die Leiterin die Bewegungen mit den Händen schon wieder anders ausführt. Wie soll ich mir die Reihenfolge der Bewegungen und die Bewegungen selbst merken können, wenn sie jedes Mal, wenn wir üben, anders sind!? Ich werfe einen verstohlenen Blick auf die Frau links neben mir. Sie führt die Bewegungen korrekt aus. Ebenso die Frau zu meiner Rechten. Ich komme mir ziemlich dumm und unbeholfen vor.
Die Leiterin schimpft mit mir, weil ich die Bewegungen falsch mache. Sie macht sie mir noch einmal langsam vor. Es sind wieder andere Bewegungen als zuvor!
Ich werfe einen Blick in den Saal. Mein Bruder entdeckt mich und winkt mir zu. Ich winke zurück.
Wir verlassen den Balkon/die Empore, um uns in der Garderobe umzuziehen. Ich verlasse den Balkon/die Empore als Letzte. Auf dem Weg zur Garderobe finde ich einen Stock und hebe ihn auf. Ich finde noch ein Stück Rinde einer Schwarzkiefer. Ich lege das Rinden-Stück auf den Stock und balanciere es. Es gelingt mir sehr gut. Ich konzentriere mich nur noch auf den Stock und auf das Rinden-Stück und achte zu wenig auf den Weg. Ich befinde mich in einem Gang, der um eine Ecke biegt. Das nackte Mauerwerk ist zu sehen, wie in einem Keller oder in einem Tunnel. An der Ecke hat die Wand in Bodennähe einen kleinen Vorsprung. Die Wand besteht eindeutig aus schwarzem Schiefer-Gestein. Ich hebe ein paar Stücke auf und nehme sie mit. Ich balanciere das Rinden-Stück immer noch auf dem Stock.
Ich schaue mich um. Mir wird schlagartig klar, dass ich mich verirrt habe. Ich gehe ein Stück zurück, bis zu einer Abzweigung. Von welchem Gang bin ich gekommen? Keine Chance! Ich muss mich in einer Art Labyrinth befinden. Ich beschliesse, den Weg fortzusetzen, egal, wohin er mich führen wird, egal, ob ich sterben werde. Hauptsache, die Vorführung findet ohne mich statt. Ich mache eine 180° Kehrtwendung und setze meinen Weg fort.
Ich konzentriere mich wieder ganz auf das Rinden-Stück auf dem Stock und auf die Schieferstein-Stücke in meiner Hand. Der Gang verzweigt sich immer wieder. Ich finde schnell heraus, dass das Rinden-Stück vom Stock fällt und die Schieferstein-Stücke in meiner Hand kalt werden, wenn ich bei einer Abzweigung den falschen Gang wähle. Wähle ich den richtigen Gang, bleibt das Rinden-Stück auf dem Stock und die Schieferstein-Stücke in meiner Hand werden warm. Somit habe ich zwei zuverlässige Wegweiser durch das Labyrinth.
Deutungsversuch
Aufführung: Die Leiterin ändert die Choreographie des Tanzes immer wieder ab, sodass ich keine Orientierung mehr habe, wie die Bewegungen ausgeführt werden sollen. Allen anderen Frauen gelingen jedoch die richtigen Bewegungen in der richtigen Reihenfolge auszuführen. Es liegt also an mir. Die Leiterin stellt mich bloss, indem sie mit mir schimpft.
Mein Bruder: Er symbolisiert meine Familienangehörigen. Ich möchte vor meinen Angehörigen möglichst gut dastehen, wenn ich mich präsentiere.
Rinde, Stock, Gestein: Ist ein Symbol für die Natur, wo ich mich geborgen fühle.
Auf dem Weg zur Garderobe verirre ich mich, weil ich herumtrödle. Aus der Sicht meiner Mutter habe ich immer herumgetrödelt, weil ich ihr immer zu langsam war. Wenn ich irgendwo hingehe, wird meine Aufmerksamkeit immer von irgendetwas in Beschlag genommen, das anderen Menschen entgeht. Wenn ich in Zürich im Hauptbahnhof auf einem Bahnsteig gehe, finde ich immer irgendwo ein Tauben-Feder, manchmal auch mehrere. Im Traum balanciere ich ein Stück Rind auf einem Stock und verirre mich dabei. Es ist mir jedoch egal. Hauptsache keine Vorführung. Ich entscheide mich bewusst gegen die Vorstellung, da ich keine Lust habe, mich zu blamieren. Die Vorführung ist für mich schlimmer als der Tod. Die Natur führt mich sicher durch das Labyrinth, weil ich auf ihre Zeichen achte.
Liebe Grüsse
Pia