Wieder einmal ein längerer Traum.
Meine Mutter öffnet alle Fenster, da es sehr muffig riecht in diesem Raum. Kaum hat sie die Fenster geöffnet, schiessen auch schon sehr schlanke, zum Kopf hin zugespitzte Fische mit einer hohen fahnenähnlichen Rückenflosse, bänderartigen Brustflossen und einer langen ausgefransten Schwanzflosse, so ähnlich wie Coupis in Aquarien, ins Wohnzimmer. Einige sind feuerrot, andere sind giftgelb, wieder andere sind giftgrün. Auffallend bei diesen Fischen sind die grossen Augen und die spitze Schnauze, so ähnlich wie bei Seepferdchen.
"Das sind Pikser!" ruft der junge Mann und hebt die Arme schützend vor sein Gesicht. Panik bricht unter den Insassen des Wohnzimmers aus. Es dringen immer mehr Fische ins Wohnzimmer ein und stürzen sich auf die Menschen. Ich rase von einem Fenster zum anderen und schliesse die Fensterläden und die Fenster. "Helft mir doch, die Fenster zu schliessen!" rufe ich. Meine Mutter und mein Bruder eilen zu den noch offenen Fenstern und schliessen sie. Sie vergessen in der Eile die Fensterläden zu schliessen. Die anderen legen sich flach auf den Boden und schützen mit ihren Armen und Händen ihren Kopf.
In einer Ecke sehe ich ganz unscheinbar eine überdimensional grosse Fliegenklatsche stehen. Ich eile zur Fliegenklatsche, währen die Fische, wie Pyrannias, um die anderen herumsausen. Ich packe die Fliegenklatsche mit beiden Händen und schlage damit nach den Piksern. Wenn ich einen treffe, zerplatzt er wie eine Seifenblase. "Ihr könnt euch jetzt wieder aufsetzen. Die Pikser sind tot", sage ich als ich den Letzten erledigt habe.
Die Frau mit dem vierjährigen Jungen, liegt weinend am Boden. Ich gehe zu ihr und knie mich neben sie. "Sie sind weg", sage ich leise. "Das ist unser Ende. Sie sind überall. Wir mussten unser Zuhause aufgeben und hierher fliehen." "Wir mussten ebenfalls unser Zuhause verlassen", antwortete der junge Mann. Ich hatte vorher noch nie von Piksern gehört und auch noch nie zuvor welche gesehen.
"Ich muss dringend zur Toilette", sagte meine ehemalige Klassenkaeradin. "Wenn du jetzt raus gehst, stürzen sich die Pikser auf dich und töten dich. Wie du siehst, warten sie vor den Fenstern und überall sonst." sage ich. Sie schaut mich nur von oben herab an und wendet sich der Wohnzimmertür zu. "Mach doch einfach in eine Zimmerecke pipie. Wir schauen solange weg." schlage ich vor. Sie geht jedoch weiter auf die Tür zu, öffnet sie und verlässt den Raum. Ich will ihr nacheilen und sie ins Wohnzimmer zurückholen, bleibe jedoch stehe. Nein, es ist ihre Entscheidung. Ich habe gesagt, was ich zu sagen hatte.
In der Wand rechts neben der Wohnzimmertür, wenn man Richtung Tür schaut, befindet sich eine weitere Tür. Sie ist kaum zu sehen im Täfer. Mein Bruder hat sie entdeckt und öffnet sie vorsichtig. Da ist eine Toilette!" ruft er begeistert und schlüpft in den Raum. Nach etwa zwei Minuten betritt er wieder das Wohnzimmer. Ich gehe als nächstes zur Toilette. Es ist ein fensterloser recht enger Raum. Meine Unterhose und meine Legins lassen sich nur schwer herunter und wieder heraufziehen. Sie kleben richtig am Körper, was sehr unangenehm ist.
Als ich die Toilette wieder verlassen will, liegen vor meinen Füssen verschiedene Gegenstände. Es sind alles meine Sachen: Toiletten-Täschchen, Handspiegel, Handtuch, Apfel, Buch, Notizheft, Zeitschrift, Kamm. Ich versuche, alle Gegenstände aufzuheben. Sie fallen aber immer wieder runter. Schliesslich gelingt es mir doch, sie irgendwie an meinen Oberkörper gepresst, ins Wohnzimmer zu bringen.
Meine Mitgefangenen stehen an den Fensterläden freien Fenstern und diskutieren leise miteinander. Ich geselle mich zu ihnen. Draussen wuseln Männer und Frauen in Militärkleidung herum und bauen eifrig eine Schutzmauer gegen die Pikser um unsere Zuflucht. Einige Männer stehen an Wasserwerfern und an Flammenwerfern. Ich frage mich, ob das etwas bringt.
In diesem Moment öffnet die ältere Frau die Wohnzimmertür. Und schon schiessen zwei Pikser an ihr vorbei ins Wohnzimmer. Die ältere Frau ist so perplex, dass sie die Tür noch weiter öffnet, anstatt sie zu schliessen. Weitere Pikser dringen ein. Ich greife nach der Fliegenklappe und schlage nach den Fischen. Ich sehe, dass die Haustür weit offen steht. Wer hat sie geöffnet? Etwa die Leute da draussen? "Schliesst endlich die Haustür!" rufe ich und schlage wild nach den Piksern. Der junge Mann und mein Bruder rennen zur Haustür und schliessen sie. "So viel zu der Schutzmauer", sage ich.
Deutungsversuch
Ich fühle mich wieder einmal für das Wohlergehen der anderen verantwortlich. Ich schaffe es jedoch, meine Klassenkameradin ziehen zu lassen, und ihr damit die Verantwortung für ihr Handeln zurück zu geben. Ich behalte als Einzige einen kühlen Kopf und setze mich gegen die Pikser zur Wehr. Interessanterweise lassen sie mich in Ruhe und greifen nur die anderen an. Vielleicht liegt es daran, dass ich keine Angst vor ihnen habe. Sie symbolisieren das Unbekannte, Unkontrollierbare. Da sie zerplatzen, als ich mit der Fliegenklappe nach ihnen schlagen, sehen sie nur gefährlich aus, sind aber in Wirklichkeit harmlos. Das Militär schiesst also mit den Wasserwerfern und Flammenwerfern auf Spatzen.
Ich trage immer noch unpassende Kleider und eine Menge nutzloser Sachen mit mir herum. Auf der Toilette scheiden wir aus unserem Körper Abfallstoffe aus. Ich hätte also die Möglichkeit gehabt, mich meiner unpassenden Kleider und der undienlichen Sachen entledigen zu können. Stattdessen sammle ich sie mühsam auf und trage sie ins Wohnzimmer und ziehe die Unterhose und Leggins wieder hoch. Ich habe keine Ahnung, was danach mit diesen Sachen geschah.
Die Pikser mit der Fliegenklatsche unschädlich machen, bedeutet Macht haben, etwas gut können. Es gibt immer wieder Situationen, wo ich mich verstecken möchte (unpassende Kleider), weil mir mein Können irgendwie peinlich ist. Ich mache beim Online-Kurs "Herz-Autoren" mit. Der Kurs dauert vier Wochen. Wir haben die Aufgabe, jeden Tag einen berührenden Text zu scheiben. Ich habe mit einem Roman begonnen, weil ich meine Gefühle besser über eine Figur ausdrücken kann, als wenn ich in der Ich-Form von mir schreibe. Die anderen Kursteilneherinnen sind begeistert von meinen Texten. Ich hätte niemals erwartet, dass meine Texte eine solche Wirkung auf andere haben. Der Traum fordert mich jedoch auf, dieses Können, diese Macht anzunehmen, anstatt mich dagegen zu sträuben.
Liebe Grüsse
Pia